Annemarie Brückner
Damenmaßschneiderin

Fischerins Kleid bietet ethisch und ökologisch hergestellte Mode an. Was bedeutet das genau?

 

Es geht darum, den ökologischen Fuß­abdruck möglichst klein zu halten, den Beschäftigten der Textilindustrie im gesamten Produktions­prozess anständige Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und den KäuferInnen qualitativ hochwertige und giftfreie Kleidung und Accessoires anbieten zu können.

 

Was bedeutet für Sie "Mode" und welchen Zweck hat Mode?

 

Neben der Tatsache, dass Kleidung in erster Linie vor den Widrigkeiten des Wetters schützt, bringt sie auch viel über den Charakter eines Menschen zum Ausdruck. Und umgekehrt lässt sich viel durch Kleidung ausdrücken. Je nachdem wie man sich zu bestimmten Gelegenheiten verhalten möchte, kleidet man sich auch entsprechend. Mode ist ein ganz wesentlicher Bestandteil jeder Gesellschaft.

 

Wie kann Kleidung der Umwelt schaden?

 

Die sich in jüngerer Zeit immer schneller abwechselnden Modetrends regen ganz immens den Konsum an, was einerseits zu Überproduktionen bei vielen Herstellern führt, da ein großer Teil der angebotenen Kleidung nicht verkauft wird. Andererseits kaufen die Menschen mehr Kleidung als sie - ganz rationell gesehen - brauchen. Anstatt die Kleidung zu tragen bis sie kaputt ist, wird sie oft nur so lange getragen wie sie gefällt. Dazu kommt, dass z.T. die Qualität der Kleidung stark abnimmt, da sie nicht mehr lange halten muss, und Fasermischungen verarbeitet werden, die nur mit großem Aufwand oder gar nicht zu recyclen sind, was aus Umweltschutzgründen problematischist. Die kurzen Produktionszyklen führen dazu, dass höhere Geschwindigkeit und/oder Überstundenvon den Arbeiter/innen eingefordert werden - nicht selten ohne finanziellen Ausgleich.

 

Welche nachhaltige Marken werden in deinem Laden geführt?

 

Es gibt größere und ganz junge Brands aus der näheren Umgebung, aber auch aus Dänemark oder Österreich. U.a. Recolution, MUD Jeans, LOVJOI, Erbgut, better than nude und Armed Angels.

 

Wie kam es dazu einen eigenen Laden für nachhaltige Mode zu eröffnen?

 

Das Ulmer Angebot an schöner und fairer Biokleidung war mir deutlich zu klein und so habe ich beschlossen die Stadt mit einem kleinen, feinen Laden zu bereichern.

 

Kann ich meine Kleidung bei Fischerins Kleid auch zur Reparatur vorbeibringen?

 

Ja, ganz ausdrücklich sogar. Ich bin ja Schneiderin und  es liegt mir sehr am Herzen, dass Kleidung so lange wie möglich getragen werden kann.

 

Du entwirfst auch eine eigene Kollektion mit dem Namen „Ankermädchen“?

 

Ja genau. „Ankermädchen“ gibt es seit dem Sommer 2018. Unter diesem Namen stelle ich Kleinst- und Kleinkollektionen her sowie individuelle Anfertigungen.

 

Spricht nachhaltige Mode eher Frauen oder Männer an?

 

Sowohl Frauen als auch Männer. Wie jemand über die Herstellungsbedingungen denkt, ist völlig geschlechter-unspezifisch. Also habe ich auch Kleidung für alle Erwachsenen da. Für eine Kinderabteilung ist der Laden leider noch zu klein.

 

Was kann der/die Einzelne also tun, um die Umwelt zu schonen und die Beteiligten in der Produktionskette vor Ausbeutung zu schützen?

 

  • Betrachten Sie das Pflegeetikett, da stehen allerhand Auskünfte drauf.
  • Wie ist das Kleidungsstück in Ihren Händen zusammengesetzt? Ziehen Sie reine Naturfasern oder recyclete Materialien vor. Vermeiden Sie Fasermischungen von Kunst- und Naturfasern.
  • Lässt sich der Hersteller von Zertifizierern kontrollieren? Von welchen. Fragen Sie auch ruhig das Verkaufspersonal, was das alles bedeutet und wo die Unterschiede liegen.
  • Reparieren Sie kaputte Kleidung oder machen Sie etwas anderes daraus.
  • Geben Sie weiter, was nicht mehr passt oder gefällt. Werfen Sie es nicht gleich weg.
  • Schauen Sie in Secondhand-Läden, auf Kleidertauschparties, Kleiderkarussells, Flohmärkten und im Internet.
  • Kaufen Sie nur Sachen, die Sie wirklich brauchen oder die Ihnen wirklich sehr gut gefallen und die Sie demnach wirklich häufig tragen werden.
  • Kaufen Sie bei Firmen oder in Läden, die ihr Augenmerk auf Umweltaspekte und ethische Wertschätzung legen. Und die es auch ernst meinen - das kann zugegebenermaßen schwierig sein herauszufinden.

 

Aber allein nachzufragen und vielleicht die eine oder andere Recherche zu betreiben macht schon einen Unterschied. So bemerken die Hersteller, dass es uns als Kund/innen eben nicht egal ist, wie die Kleidungsstücke entstehen und woraus sie bestehen. Glücklicherweise gibt es inzwischen eine Reihe von Unternehmen - kleinere und größere - die ihren eigenen Weg gehen und auf soziale Anerkennung, Wahrung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt großen Wert legen. Ihnen ist der Repekt für Mensch und Natur wichtiger als das große Geld. Und das ist mir wichtig! Daher habe ich meinen Laden so eingerichtet wie er ist, mit den Marken, von deren Motivation und Aufrichtigkeit ich überzeugt bin, und der Schneidereibereich, wo ich mit meinem Mitarbeiter alles mögliche repariere und ändere. 

 

 

Was wünscht du dir für die Zukunft?

 

 

Ganz toll wäre es natürlich, wenn Fair Fashion jetzt schon nichts mehr außergewöhnliches wäre sondern das Normale und Selbstverständliche. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich der Umgang mit Menschen in anderen Teilen der Welt durch den moralischen Druck der Käufer auf die Textilindustrie ändert.

 

 


 

"Ein bewusster Lebensstil, ethisch und ökologisch korrekt hergestellte Kleidung - für mich nicht nur ein Trend, sondern innere Überzeugung. Dass dabei das Moderne nicht auf der Strecke bleiben darf - für mich selbstverständlich!"